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(((Glockenschlag)))

kmbPfrin. Katharina Meckbach
Pfrin. Katharina Meckbach

 

Kunterbunte Geschichten

Menschen, Erwachsene und Kinder brauchen Geschichten. In Geschichten können wir uns selbst wiederfinden. Wir identifizieren uns mit bestimmten Charakteren oder reiben uns an ihnen. Vielleicht ermutigen sie uns oder machen uns fantasievoller.

Die Bibel ist voller Geschichten von dem, was menschliches Leben ausmacht. Wir lesen von Liebe, Gerechtigkeit oder Mut. Geschichten prägen uns seit unserer Kindheit, egal ob wir davon lesen oder Filme schauen. Mich haben besonders die Geschichten der schwedischen Schriftstellerin Astrid Lindgren geprägt: „Pippi Langstrumpf“, „Die Kinder aus Bullerbü“ oder „Michel aus Lönneberga“. 

 

Neulich habe ich mich wieder an die Geschichten erinnert, denn im Oktober habe ich die Wohnung von Astrid Lindgren in Stockholm besucht. Dort lebte sie bis zu ihrem Tod. Die Wohnung ist noch originalgetreu erhalten, nur einige Möbel sind umgestellt. Man sieht das Bett, in dem sie schlief und ihre Texte per Hand schrieb. Wir standen vor dem Schreibtisch, an dem sie mit Blick auf dem gegenüberliegenden Park, ihre Texte auf Schreibmaschine tippte.

 

In ihren Geschichten lesen wir auch von Liebe, Gerechtigkeit und Mut. Pippi Langstrumpf zum Beispiel ist eine Geschichte von Mut und Stärke. Als Kind habe ich gedacht: Pippi ist so ganz anders als ich. Sie macht, was sie will. Sie lebt allein in ihrem Haus Villa Kunterbunt ohne elterliche Aufsicht mit dem Affen Herr Nilsson und dem Pferd Kleiner Onkel. Sie ist unabhängig. Die Welt gehörte ihr: Ich mache mir die Welt, wie sie mir gefällt. Bei ihr ist alles möglich und das hat mir als Kind auch Mut gemacht und hat meine Fantasie angeregt.

 

Pfarrer und Pfarrerinnen sind auch Geschichtenerzähler. Sie erzählen zum einen die biblischen Geschichten weiter und zum anderen sammeln sie Geschichten von Menschen, die ihnen tagtäglich begegnen. Und so wie wir uns in Geschichten wie von Pippi Langstrumpf wiederfinden können, so können wir uns auch in den biblischen Geschichten wiederfinden. Die Geschichte, die uns immer wieder emotional mitnimmt und die jedes Jahr erzählt wird, ist die Weihnachtsgeschichte. Wo können wir uns da wiederfinden? Vielleicht bei den Hirten. Sie erhalten zuerst die wichtige Nachricht von der Geburt Jesu. Die Hirten unterbrechen einfach ihre Arbeit und gehen nach Bethlehem. Was hat sie so gefesselt an der Nachricht? Und wann lassen wir uns eigentlich von etwas so fesseln, sodass wir alles unterbrechen? Die Nachricht hat das Leben der Hirten verändert. Denn als sie am Stall angekommen sind, erkennen sie: Gott ist in diesem Kind – verborgen. Diese Geschichte hat die Hirten verändert, vielleicht verändert sie auch uns.

 

Menschen, Erwachsene und Kinder brauchen Geschichten. In Geschichten können wir uns selbst wiederfinden und auch hinterfragen. Ich lade Sie ein, sich immer wieder einzulassen auf Geschichten aller Art: Geschichten, die Ihnen im Alltag begegnen, vertraute Geschichten oder Geschichten aus der Kindheit. „Pippi Langstrumpf“ werde ich wieder lesen. Diesmal nicht mit dem Blick des Kindes, sondern mit dem Blick einer Erwachsenen. Vielleicht hat die Geschichte mir etwas Neues zu sagen und macht mein Leben kunterbunt.

 

Herzliche Grüße, 

 

Ihre Pfarrerin Katharina Meckbach

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