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(((Glockenschlag)))

kmbPfrin. Katharina Meckbach
Pfrin. Katharina Meckbach

You never le me walk alone

Am 12. Mai ist wieder Zeit für den Eurovision Songcontest (ESC) 2018. Dieses Jahr findet er in Lissabon statt. Für Deutschland tritt Michael Schulte mit seinem Lied "You let me walk alone" an. Er wurde von den Zuschauern/innen beim Esc Vorentscheidung im Februar gewählt. In dem Lied verarbeitet Schulte ganz authentisch seine Trauer über den Verslust seines Vaters. Sein Vater starb, als er gerade mal 14 Jahre als war.

In dem Lied singt er: I'm a dreamer, a make believer. I was told that you were, too. I love the silence and the clear horizon. An I got that all from you. Every now and then I'm drawn to places. Where I hear your voice or see your face. And every little thought will lead me right back to you. Übersetzt heißt das: Ich bin ein Träumer, ein Illusionist. Mir wurde erzählt, das bist du auch gewesen. Ich liebe die Stille und einen klaren Horizont. Und all das habe ich von dir. Immer mal wieder zieht es mich an Orte, wo ich deine Stimme höre oder dein Gesicht sehe. Und jeder kleine Gedanke wird mich geradewegs zu dir zurückbringen.

Schulte erkennt ganz viel von seinem Vater in sich selbst. Um mit der Trauer umzugehen, hilft es ihm, sich zu erinnern. Auch bei der Beerdigung erinnern wir uns. Wir erinnern uns an vieles das war, vor allem an die schönen, die glücklichen Momente. Es hilft, Erinnerungsorte zu haben, um mit der Trauer umzugehen. Das kann das Grab auf dem Friedhof sein oder auch ein Ort, an dem wir oft zusammen mit dem Verstorbenen/der Verstorbenen waren. Wichtig ist auch der Austausch mit anderen über schöne Erlebnisse mit dem Verstorbenen/der Verstorbenen. Deswegen ist für mich das Trauercafé nach der Beerdigung ein ganz wichtiger Moment. Dort sind die Trauernden zusammen, können sich einander Halt und Trost geben und Geschichten erzählen. Hier findet Trauerbewältigung statt! Gerade in Trauersituationen ist es wichtig, dass es Menschen gibt, die unsere Trauer mittragen. In dem Lied erwähnt Schulte seine Geschwister und seine Mutter. Der Tod des Vaters, der für Schulte ein Kindheitsheld war, war sicher ein großer Schock für alle und schwer auszuhalten. Besonders schwer muss es für einen 14-jährigen sein, der gerade in der Pubertät Personen braucht, an denen er sich orientieren kann. In Zeiten der Trauer können wir oft sprachlos werden. Mit der Musik hat Michael Schulte offensichtlich eine Sprache gefunden, seine Trauer zu bewältigen. Die Musik ist ein Weg, um mit Verlusten umzugehen.

Die alttestamentarischen Psalme waren auch ursprünglich Lieder, die im Tempel gesungen wurden. Die Psalmbeter haben damit verschiedene Emotionen wie Angst, Trauer und Freude ausgedrückt. In Psalm 23 taucht das Bild des guten Hirten auf. Gott ist für uns wie ein guter Hirte, der uns nicht verlässt und sich um uns kümmert, auch wenn wir auf unserem Lebensweg mal stolpern. Ihm können wir vertrauen und uns anvertrauen. Deswegen können wir in Vertrauen auf Gott in den Songtitel das kleine Wort "never" einfügen und singen: "You never let me walk alone"! Gott ist bei uns, ist auf allen Wegen, die wir gehen. Er ist bei uns in Zeiten der Freude und der Trauer. Michael Schulte singt: Immer mal wieder zieht es mich an Orte, wo ich deine Stimme höre. An welche Orte zieht es uns immer mal wieder, an denen wir Gott spüren können?

Herzliche Grüße

Pfarrerin Katharina Meckbach

 

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