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(((Glockenschlag)))

EvKiBiPfr. Klaus Gottschlich
Pfr. Klaus Gottschlich

Fußballfieber

"Hören Sie das? Moskau ruft nach Ihnen" - ich war etwas überrascht, als ich diese Nachricht erhielt. Was habe ich mit Moskau zu tun? Ich kann mich noch an Zeiten erinnern, da hätte man sofort den KGB dahinter vermutet. Aber dann habe ich begriffen: Es geht um die Fußballweltmeisterschaft und hat im Grunde überhaupt nichts damit zu tun. Der Satz wurde gewählt, um meine Aufmerksamkeit zu bekommen. Und ich reihe ihn ein in die vielen anderen Nachrichten, die ich erhalten habe zum bevorstehenden Turnier. "Bestellen Sie noch schnell vor der WM einen neuen Fernseher, extra groß und extra günstig“ oder Handtücher und Sportartikel, den klassischen Duft, den der Mann von Welt zur Weltmeisterschaft braucht. Wenn ich ein Tageszeitungsabonnement über 12 Monate abschließe, bekomme ich ein offiziellen WM-Trikot der Deutschen Nationalmannschaft dazu.

Nun bin ich nicht der große Fußballfan, werde mir wohl das ein oder andere Spiel ansehen mit mehr oder wenig Herzklopfen, je nachdem, wer spielt; aber dass ich unbedingt zur Fußballweltmeisterschaft noch dies oder jenes kaufen muss, fällt mir nicht ein. Und die Chancen der Deutschen Nationalmannschaft steigen sicher nicht mit dem Abschluss eines Abos oder dem Kauf eines Herrendufts.

Offensichtlich versuchen viele Firmen, ein Stückchen von dem großen Kuchen abzubekommen, der im Vorfeld des Großereignisses gebacken wird. Die Chance, etwas mehr Umsatz zu erreichen muss genutzt werden. Es ist ja auch nicht schlecht, wenn im Zusammenhang mit Fußball nicht von Korruption oder gewalttätigen "Fans" die Rede ist. Vielleicht tut das dem Sport ja ganz gut.

Aber geht es überhaupt noch um Sport? Der Fußballweltverband will 400 Millionen Dollar an Preisgeldern zahlen. Und das Thema Geld im Zusammenhang mit Fußball ist auch ein brisantes Thema, das immer wieder zu Streitgesprächen führt.

Beim Fußball kommen auf einmal wieder alte Gefühle hoch, da wird's manchmal sentimental und manchmal handfest. Irgendwie beeinflusst die Fußballweltmeisterschaft doch alle und alles. Es geht um Sport und um viel mehr:
Es gibt Menschen, die nehmen sich Urlaub für die entscheidenden Spiele; es gibt Menschen, die nutzen die leere Autobahn während andere gebannt auf den Fernseher blicken, es gibt Menschen, die gehen ganz normal weiterhin arbeiten, andere freuen sich, wenn die Lieblingsmannschaft des Nachbarn ein Spiel verliert, ... und es gibt eben auch Menschen, die das weltweite Großereignis nutzen, um Geld zu verdienen, andere nutzen die Zeit zum Feiern.

Dass das Ereignis auch eine politische Bedeutung hat, wird schon sichtbar, wenn es um den Austragungsort geht. Die Diskussionen darüber, welches Land geeignet ist und welches nicht. Und dass Spieler, die ursprünglich aus einem anderen Land kommen, in der "Deutschen Nationalmannschaft" spielen, zeigt doch auch, dass ein Miteinander geht. Auch die Worte zeigen, dass es um unsere Gesellschaft oder unser Land geht, wenn es heißt: "Wir haben gewonnen" oder eben verloren - es geht um Gemeinschaft und Solidarität, auch wenn ich selbst überhaupt nicht am Gewinnen oder Verlieren beteiligt bin. Genauso, wenn man zusammen vor der Leinwand sitzt und fiebert, wenn der „böse Feind" die gegnerische Mannschaft ist, dann kommen doch wieder ganz besondere Gefühle auf. Schnell ist man sich einig, dass der Schiedsrichter an dem Spielergebnis Schuld ist. Nach dem Sieg der eigenen Mannschaft fühlen sich alle wohl und konnten doch mal wieder ein schönes Gemeinschaftserlebniss genießen.

Wenn alles in Frieden und Toleranz abläuft, haben alle etwas davon, dann rückt alles andere ein wenig in den Hintergrund. Vielleicht kann man später, wenn alles vorbei ist, über viele Streitereien noch einmal neu nachdenken und diskutieren.

Ich wünsche Ihnen allen eine gute Zeit,
Ihr Klaus Gottschlich

 

 

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