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(((Glockenschlag)))

EvKiBiPfr. Klaus Gottschlich
Pfr. Klaus Gottschlich

"Spuren"

Alles, was wir tun und lassen, hinterlässt Spuren. Ich kann mich erinnern, da galt Asbest als Superbaustoff - bis sich die ungewollten Nebeneffekte zeigten - es gab "Holzschutzmittel", die heute verboten sind, weil sich herausstellte, dass sie nicht nur "Schädlinge" vom Holz fernhalten, sondern auch gesundheitsschädlich für Mensch und Tier sind.

Wir produzieren Dinge, um uns das Leben leichter und bequemer zu machen und ignorieren, dass das auch andere Folgen haben könnte. Und wenn sich negative Begleiterscheinungen schon von Anfang an andeuten, können sie mit entsprechender Werbung beschönigt werden. Süßstoffe werden als gesund beworben und Margarine, die schon imm so war, plötzlich als cholesterinfrei. Wir produzieren also auch Meinung. So, wie wir Waschmittel und Kleidung, Autos und ... bewerben, so bewerben wir auch Meinung und hinterlassen Spuren. Wir legen Fährten, damit andere unser Produkt kaufen oder unsere Meinung unterstützen. Diese Spuren werden allerdings häufig bewusst gelegt, damit wir ihnen folgen. Werbung geschieht eben auch zur Meinungsbildung.
Sie versucht, an unseren logischen Denken und Wissen vorbei Assoziationen zu wecken und Gefühle zu erzeugen. So entstehen immer neue Wortkombinationen, die im eigentlichen Wortsinn überhaupt nicht mit der neuen Bedeutung übereinstimmen. 

Denken Sie einmal an den Begriff: "Gutmensch". Er wird verwendet, um Hilfsbereitschaft und Toleranz mit einem schlechten Geschmack zu versehen. Andersdenkende werden pauschal und ohne Ansehen ihrer Argumente als naiv abqualifiziert. Auch die Verwendung des Begriffs "Shuttle-Service" im Zusammenhang mit Seenotrettung im Mittelmeer ist mehr als eine Verharmlosung der Situation. Aber hier ist die Meinung, dass diese Rettungseinsätze eine Dienstleistung seien, die Menschen zu einer lebensgefährlichen Flucht ermuntern würden, Grundlage der Verwendung eines Wortes, das normalerweise für Abhol- und Bringdienste verwendet wird. Und die Verwendung des Begriffs hinterlässt eben auch genau dieses Gefühl, dass diejenigen, die dort auf dem Meer unterwegs sind, leichtfertig unterwegs sind. Mit der Verwendung dieser Begriffe wird nicht nur der Anschein erweckt, dass unser Rechtsstaat unabhängig von jedem bestehenden Recht einfach tun dürfte, was er gerade wolle, sondern es wird auch unser demokratisches Bewusstsein unterlaufen. Die meinen Spuren erkennen wir erst, wenn sie etwas hinterlassen haben und dann ist es schon geschehen. In den wichtigen Diskussionen um das Leben in unserem Land darf es nicht soweit kommen, dass nur noch stark vereinfachte möglichst wirkungsvolle Schlagworte hin und her geschleudert werden. In der Asyldiskussion lähmen diese Schlagworte eine konstruktive Auseinandersetzung mit der Tatsache, dass sehr viele Menschen nach Europa kommen und wir einen Umgang damit finden müssen, der unserer Werten entspricht. Wir sollten nicht einfach die Werte beiseite legen, damit wir machen können, was wir gerade wollen. Denn diese Werte sind nicht rein zufällig entstanden.
Es gibt Spuren, die werden gelegt, damit ein Ziel erreicht wird. Wenn damit allerdings das angezweifelt wird, worauf unser Gemeinwesen aufbaut, sollte zumindest eine sachliche Diskussion darüber stattfinden.
In Zeiten, in denen Präsidenten über die "Sozialen Medien" Tatsachen infrage stellen und Meinung machen mit Schlagworten und Diffamierungen, mag das schwer sein. Auch das hinterlässt Spuren. Dennoch fände ich es besser, diese undifferenzierten Schlagworte aus unserem Sprachgebrauch zu streichen als unsere demokratischen Errungenschaften einfach zu vergessen.

Herzliche Grüße,
Ihr Klaus Gottschlich

 

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