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(((Glockenschlag)))

Zeitumstellung

„In Deutschland wird am 31. Oktober 2021 um 3 Uhr früh auf die Winterzeit umgestellt. Die Uhren werden dabei von 3 auf 2 Uhr zurückgedreht. Durch das Zurückdrehen gewinnen die Menschen in Deutschland eine Stunde. Ab diesem Zeitpunkt gilt die Winterzeit und dadurch die Normalzeit. Die Winterzeit gilt ein halbes Jahr bis wieder auf die Sommerzeit gestellt wird.“

So lapidar wird im Internet die Zeitumstellung erklärt. Freuen Sie sich darauf? Ich freue mich auf die geschenkte Stunde, so wie es mir dann aber auch im März wieder sehr schwerfallen wird, auf eine Stunde zu verzichten. Viele Menschen wünschen sich, dass wir das mit der Zeitumstellung nicht mehr brauchen. Alle Jahre wieder wird darüber diskutiert, dass die Einführung der Sommerzeit doch eigentlich nicht die erhoffte Wirkung hat. Nachdem schon zum Ende des 18. Jahrhunderts Benjamin Franklin mit dem Gedanken spielte, setzte sich die Sommerzeit erstmals durch den deutschen Kaiser 1916 für drei Jahre durch, weil man Einsparungen von Rohstoffen und längere Arbeitszeiten in der Rüstungsindustrie erreichen wollte. Nach Kriegsende in der Weimarer Republik wurde die Zeitumstellung wieder abgeschafft und es waren Länder wie Frankreich, Großbritannien und Russland, die sie ihrer Bevölkerung weiter verordneten. Seit 1996 gelten in der EU einheitliche Termine, nachdem zuerst die DDR, dann auch die Bundesrepublik die Sommerzeit wieder eingeführt hatten.

Wir werden also am 31. Oktober unsere ursprüngliche Zeit wieder haben und dürfen uns in dieser einen Nacht über eine Stunde mehr Schlaf freuen. Abgesehen von der Tatsache, dass es nach wie vor Zweifel gibt, ob die Sommerzeit bringt, was sie zu versprechen schien (Einsparung von Ressourcen, längere, weil hellere Arbeits- und Lebenszeit - !? -) gibt es wohl eher viele Menschen, die im Frühjahr wieder lange Zeit brauchen werden, bis sie einigermaßen in ihren natürlichen Bio-Rhythmus zurückfinden. Wie jedes Jahr wird spätestens beim Beginn der Sommerzeit dann wohl wieder darüber gesprochen werden, dass es vor allem für die Kinder und Jugendlichen besser wäre, wenn die Schule erst viel später am Tag beginnt, damit sie weniger Alltags-Stress haben.

Eigentlich könnte es uns ja vollkommen egal sein, ob die Uhrzeit umgestellt wird oder nicht, wesentlich ist doch, wie wir mit der eigenen Zeit umgehen (können). Allerdings sind viele von uns so etwas wie Sklaven der Zeit – nicht von ungefähr kommt die hohe Zahl von Menschen mit Burn-out und es ist nicht nur der individuelle Geschmack oder die individuelle Befindlichkeit, die betroffen sind, wenn von außen Zeit(en) gesetzt sind. Davon können SchichtarbeiterInnen in den verschiedensten Berufen ein Lied singen.

Auf jeden Fall ist jetzt mal wieder ein halbes Jahr „normale“ (und für den Bio-Rhythmus „richtigere“?) Zeit: Morgens ist es eine Zeit lang wieder früher hell auf dem Weg zur Schule oder zur Arbeit – für viele dann nicht mehr verbunden mit dem Gefühl, viel zu früh aufgestanden zu sein – und abends dafür früher dunkel, um gemütlich zusammen zu sitzen oder einen Spaziergang durch die Dunkelheit zu machen. Egal, welche Zeit Ihnen oder mir lieber ist – Sommer- oder Winterzeit – wir müssen sie nehmen, wie sie kommt. Am besten wird es uns allen wohl gehen, wenn wir nach dem Motto leben „Carpe diem – Nutze den Tag!“ In diesem Sinne wünsche ich uns allen eine schöne Winterzeit mit vielen guten „kürzeren“ Tagen, an denen wir am Abend sagen können: Das war eine gute Zeit!

Hiltrud Knodt, Gemeindereferentin

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