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(((Glockenschlag)))

EvKiBiPfr. Klaus Gottschlich
Pfr. Klaus Gottschlich

"Süßer die Glocken nie klingen ...

als zu der Weihnachtszeit." Sie kennen dieses Weihnachtslied - und tatsächlich scheinen die Glocken in dieser Zeit anders zu klingen als sie es das ganze Jahr über tun. Vielleicht fällt ihr Läuten auch einfach mehr auf. Oder sie überbringen noch immer eine Nachricht, wie sie das schon immer getan haben. Natürlich rufen sie zum Gottesdienst. Sie teilen die Tageszeiten mit - manch ein Läutwerk gibt die Uhrzeit bekannt; Glocken haben den Tod ei­nes Menschen in der Gemeinde mitgeteilt und auf Gefahren aufmerksam gemacht.

Das ist vielen Menschen noch heute bekannt: Vor vie­len Jah­ren, als ich noch nicht lan­ge hier in der Ge­mein­de war, be­gan­nen nachts um vier Uhr die Gloc­ken zu läu­ten. Ich war mit ei­nem Schlag hell­wach, zog mich an und rann­te zur Kir­che, um zu se­hen, wer da die Gloc­ken an­ge­schal­tet hat­te. Die Kir­che war ab­ge­schlos­sen und ich konn­te nicht ein­fach die Gloc­ken selbst ab­schal­ten - das Um­le­gen des Schal­ters be­ein­druck­te die Gloc­ken über­haupt nicht. Ich habe die Haupt­si­che­rung aus­ge­schal­tet. Die Gloc­ken klan­gen noch ein biss­chen nach, dann war wie­der Ruhe ein­ge­kehrt - dach­te ich.

Zu­rück im Pfarr­haus läu­te­te das Te­le­fon. "Klar, die er­sten Be­schwer­den", dach­te ich bei mir, schließ­lich war es mit­ten in der Nacht. Aber ich hat­te mich ge­täuscht. Eine äl­te­re Dame rief an, um sich zu er­kun­di­gen, was denn pas­siert sei, dass wir die Gloc­ken läu­ten muss­ten. Und sie war nicht die Ein­zi­ge an die­sem Mor­gen, die sich dann te­le­fo­nisch er­kun­dig­te, ob nicht doch et­was Schlim­mes ge­sche­hen sei, das die Gloc­ken mit­ten in der Nacht ver­brei­ten soll­ten. Für die­se Men­schen hat­ten die Gloc­ken ei­nen war­nen­den Klang: "Pass auf, da ist et­was pas­siert!"

Trotz­dem sind es ge­nau die­sel­ben Gloc­ken, die auch tags­über ihre Ar­beit tun. Der Klang än­dert sich nicht - nur die Si­tua­ti­on än­dert sich. Wir schlie­ßen auf­grund der äu­ße­ren Um­stän­de auf die Be­deu­tung des Läu­tens. Sie wec­ken Ge­füh­le und Er­in­ne­run­gen.

"Sü­ßer die Gloc­ken nie klin­gen ... " in der Ad­vents- und Weih­nachts­zeit über­brin­gen sie für vie­le tat­säch­lich eine be­son­de­re Bot­schaft - sie klin­gen als Er­in­ne­rung und als Be­sin­nung zu­gleich, eben­so wie als Auf­ruf zu Näch­sten­lie­be und Frie­den. Und dar­an er­in­nern beim Läu­ten auch die Na­men un­se­rer vier Gloc­ken: Frie­den - Ewig­keit - Glau­be - Barm­her­zig­keit.

Wenn vie­le Weih­nachts­märk­te um eine gro­ße Kir­che her­um auf­ge­baut sind, kann man es füh­len: Wenn die Gloc­ken am Abend läu­ten, der Weih­nachts­markt un­ten pul­siert und dar­über die Gloc­ken zu hö­ren sind, dann ent­steht schon eine ganz be­son­de­re Stim­mung - es mag nicht so süß­lich sein wie in dem Lied, aber die­ses Läu­ten be­rührt tat­säch­lich das Herz.

Und das Läu­ten der Gloc­ken im Ad­vent ist eine gute Ge­le­gen­heit, den Gloc­ken zu­zu­hö­ren, inne zu hal­ten, sich ein klei­nes biss­chen Zeit zu neh­men, das Herz zu öff­nen.

Wenn dann in näch­sten Kauf­haus oder Su­per­markt "Sü­ßer die Gloc­ken nie klin­gen ..." oder "Kling' Glöck­chen, klin­ge­lin­ge­ling ..." zu hö­ren ist, zau­bert es viel­leicht so­gar ein Lä­cheln auf ihre Lip­pen.

Herz­li­che Grü­ße und eine ge­seg­ne­te Ad­vents- und Weih­nachts­zeit

Klaus Gott­schlich

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