Menu
Menü
X

(((Glockenschlag)))

kbPfr. Klaus Bastian
Pfr. Klaus Bastian

Faire Perspektiven!?

Vom 15. bis 29. September 2017 findet die inzwischen 16. Faire Woche statt. In Weltläden, Supermärkten, Schulen, Gemeinden und gastronomischen Betrieben sollen mit über 2000 Veranstaltungen die wirtschaftlichen Perspektiven für die Produzenten und Produzentinnen im Globalen Süden ins Licht der Öffentlichkeit gestellt werden. Denn die Globalisierung der Welt schreitet immer weiter voran, der globale Handel und der globale Reichtum nehmen zu – aber leider nicht für alle. Zwar konnte die Anzahl der Menschen, die in extremer Armut leben, inzwischen halbiert werden - dennoch ist die Beseitigung von Hunger immer noch eine große Herausforderung.

Denn viele Menschen haben kaum Möglichkeiten, ihre Situation aus eigener Kraft zu verbessern während gleichzeitig Umweltbelastungen und -zerstörungen mit der wachsenden Nachfrage nach Konsumgütern steigen. Die Länder des Globalen Südens sind dabei vor allem Rohstofflieferant für den Globalen Norden. Hunger, fehlende Gesundheitsversorgung und Bildungsangebote sowie menschenunwürdige Arbeitsbedingungen betreffen auch im 21. Jahrhundert noch unvorstellbar viele Menschen - auch und gerade solche, die für unseren überwiegend nicht nachhaltigen Konsum hart arbeiten. Dabei spielt Kinderarbeit immer noch in vielen Ländern eine wichtige Rolle und das hat nicht nur gesundheitliche Folgen, sondern verhindert auch Bildung und damit entsprechende Zukunftsperspektiven.

Seit Jahren sind auch die unfairen Arbeitsbedingungen in der Bekleidungs-, Leder- und Teppichindustrie in den Schlagzeilen: Arbeitslöhne, von denen niemand existieren kann. Arbeitsschutz, Umwelt- und Sozialstandarts – Fehlanzeige!

Aber auch andere Konsumgüter sind davon betroffen, Smartphones etwa: »Fast die Hälfte der Elemente aus dem Periodensystem ist in ihnen enthalten.« weiß Rüdiger Kühr, Leiter des Programms Sustainable Cycles (nachhaltige Kreisläufe) der United Nations University in Bonn. Und er weiß auch, dass die Herkunft der Stoffe und ihre Gewinnung kaum nach zu verfolgen sind. Da kann das Gold, das in den Prestigeobjekten steckt, leicht von einem Kind in Ruanda oder Uganda gewaschen sein für einen Dollar pro Tag. »Nur mit Glück finanziert man als westlicher Smartphonekäufer nicht auch noch einen Bürgerkrieg oder Diktatoren.« schreibt die Wissenschafts- und Reportagejournalistin Eva Wolfangel in einem Artikel zum Thema, der jetzt in vielen Tageszeitungen erschienen ist. Der überwiegende Teil an Smartphones wird in China zusammengebaut. Üblich sind 90 Wochenstunden, die die Arbeiter auf sich nehmen, um ihren ohnehin kargen Lohn nicht noch niedriger ausfallen zu lassen. Und dabei liegt die durchschnittliche Nutzungsdauer der Geräte bei gerade mal 2 Jahren, danach gehen entweder der Akku oder das Display kaputt. Und die Hersteller tun zunehmend alles, um Reparaturen möglichst zu verhindern.

Unfaire Handels- und Produktionsbedingungen schädigen Erzeuger und Konsumenten, die einen mehr, die anderen weniger! Viele Menschen des globalen Südens sehen für sich und ihre Kinder keine Perspektive in ihrer Heimat und versuchen durch Migration in andere Regionen ihres Heimatlandes oder aber der Welt ein besseres Auskommen zu finden. Flüchtlingsströme sind gemacht, nicht nur durch Kriege und Klimawandel, sondern auch durch unfaire Handelsabkommen der Industrienationen und unfaire Produktionsbedingungen.

So schafft der sogenannte freie Welthandel inzwischen an den unterschiedlichsten Stellen mehr Probleme, als er löst. Der Faire Handel ist deshalb ein Alternativmodell. Er schafft durch die Berücksichtigung von sozialen, ökologischen und wirtschaftlichen Aspekten Perspektiven für die Produzentinnen und Produzenten weltweit, vor allem im Globalen Süden, aber auch Hierzulande. Denn nachhaltige und faire Produktion nützt letztlich auch uns, den Konsumentinnen und Konsumenten: Weniger Giftstoffe in Lebensmitteln und Kleidung, Schonung der natürlichen Ressourcen und Klimafreundliche Produktion – davon haben auch wir etwas.

Übrigens: Es gibt auch fair und nachhaltig produzierte Smartphones. Die sind vielleicht nicht ganz so »trendy« und prestigeträchtig und auch nicht unbedingt auf dem allerneuesten Stand der Technik. (Die Frage ist, ob man den tatsächlich immer braucht. Wenn ich mir die Werbung der großen Hersteller ansehe, die gerade wieder dabei sind ihre neuesten Modelle vorzustellen, dann erscheint mir doch einiges als bloßer Schnickschnack!) Die alternativen Geräte lassen sich dafür problemlos reparieren. Und ihre Produzenten schlüsseln zudem alle Kosten für Herstellung, Steuern und Investitionen, sowie den eigenen Gewinn pro Gerät genau auf. Und auch einen detaillierten Einblick in die Zuliefererkette gibt es. Also: geht doch!

Es grüßt Sie herzlichst

Ihr Pfr. Klaus Bastian

top