Menu
Menü
X

(((Glockenschlag)))

kbPfr. Klaus Bastian
Pfr. Klaus Bastian

Vorstellung!

Stellen Sie sich vor, Sie würden die abendlichen Filmbeiträge der Nachrichtensendungen ohne Übersetzung und Kommentar sehen, verstünden fremde Sprachen grundsätzlich nicht und hätten auch kein Vorwissen über die gezeigten Protagonisten – wie kämen Ihnen dann wohl die Auftritte von Putin, Trump, Erdogan und Konsorten wohl vor? Ich vermute, wie das, was sie im Grunde sind: Lächerliche Vorstellungen!

Nun sind wir es ja durchaus aus Film und Fernsehen gewohnt, dass auch mindertalentierte Akteure ihre Fans und mediale Aufmerksamkeit finden, warum also nicht auch in der Politik? Das Problem ist allerdings das Genre, in dem sich die Betreffenden bewegen: In Film und Fernsehen werden Schauspielerinnen und Schauspieler ja noch halbwegs entsprechend ihres Typus besetzt, in der Politik kann jeder den starken Macker geben – ob es passt oder nicht. Und es gibt immer Leute, die ihm das noch abnehmen – und oft genug auch nacheifern.

Dümmliches Machogehabe ist derzeit offenbar angesagt und die Zahl derer, die – wie wir früher sagten – nachts von Maggi geträumt haben und tagsüber vor Kraft kaum noch gehen können, scheint stetig zu steigen, sogar in Kreisen, die von sich behaupten »fortschrittlich« zu sein. Erst dieser Tage gab es dazu ein Kostprobe im NDR-Magazin Panorama, das Unterstützer und potentielle Teilnehmer an den Krawallen während des G-20-Gipfels interviewte. Auch hier von Anfang bis Ende nur peinliche und lächerliche Vorstellungen – im doppelten Sinn des Wortes.

Nun könnte man solches Gehabe als spätpubertäre Allüren abtun, wenn sich mit besagtem Machogehabe nicht immer auch Macht, und zwar destruktive Macht verbinden würde. Natürlich ist die Vorstellung, dass in einer globalisierten und vernetzten Welt »starke Männer« etwas zum Positiven verändern könnten, absurd und lächerlich. Das hindert aber viele Menschen nicht daran, genau das zu glauben und den Protagonisten zu applaudieren.

Auch hierzulande stößt »Basta-Politik« durchaus auf Zustimmung und die sogenannten »Protestwähler« entscheiden nur zu oft über Regierungsbildungen. Auch das eine Vorstellung, die nachdenklich macht: Menschen, die ihrem Frust, ihrer Ohnmacht, ihrer Wut und Enttäuschung an der Wahlurne dadurch zum Ausdruck bringen, dass sie populistische Parteien wählen, schaffen damit Wahlergebnisse, die den Parteien nur noch wenige Spielräume für Koalitionsbildungen eröffnen und die daraus resultierenden Regierungsbündnisse können aufgrund ihrer geringen inhaltlichen Schnittmengen wiederum nur Frust und Enttäuschung produzieren. Das hat was von einer sich selbst erfüllenden Vorhersage!

Tatsächlich reicht es nicht einfach nur »dagegen« zu sein. Demokratie verlangt nach Eigenverantwortung von jedem und jeder Einzelnen und der Bereitschaft auch die eigene Position zu hinterfragen. Demokratie braucht das gemeinsame und friedliche Ringen um die bestmögliche Lösung und die Bereitschaft dafür auch etwas zu tun. Richtig nett fand ich da die Idee des Papstes, an die Tür seines Urlaubsappartements ein Schild zu hängen mit der Aufschrift: »Jammern verboten!«

Wer jammert tut nichts und will auch nichts tun. Wer jammert gefällt sich in der Rolle des Opfers und schließt deshalb Eigenverantwortung aus. Wer jammert wird empfänglich für die Vorstellungen der »starken Männer«, die einem anscheinend die Verantwortung, das eigene Tun und das eigene Nachdenken abnehmen.

»Was willst du, dass ich dir tun soll?« fragte einst Jesus einen Mann, der ihn um Hilfe bat – eine, wie ich finde, interessante Frage. Denn sie lässt die Verantwortung bei dem Hilfesuchenden: Ich bin nicht der große Zampano, der »starke Mann«. Ich gehe davon aus, dass du dir bereits Gedanken gemacht darüber gemacht hast, was dir helfen könnte und wie du meine Unterstützung dazu brauchst. In diesem einen Satz scheint eine ganz andere Vorstellung vom Umgang miteinander durch. Kein Machtkampf, keine Großtuerei, keine Selbstbeweihräucherung, kein abhängigmachen, kein rücksichtsloser Umgang.

Man stelle sich das nur mal einen Moment lang vor: Bilaterale Gespräche und Konferenzen würden mit diesem Satz eingeleitet – wie anders würde es auf dieser Welt zugehen! Das ist eine Vorstellung!

Es grüßt Sie herzlichst

Ihr Pfr. Klaus Bastian

top